Bernard Herrmanns minimalistischer Ansatz für Thriller-Scores der 50er und 60er hat mich schon immer fasziniert; insbesondere die Titelmusik zu Psycho (1960). Das melodisch und harmonisch für die damalige Zeit ungewöhnlich reduzierte Stück ist quasi im Baukastenprinzip aus nur zwei Grundideen zusammengesetzt (Herrmann selbst sprach von aneinandergereihten „musikalischen Zellen“):
• Einerseits der schon aus früheren Scores bekannte „Hitchcock-Akkord“ aus Molldreiklang plus großer Septim, der direkt zu Beginn des Stücks in Bb in zweiter Umkehrung fünfmal hintereinander reingehämmert wird und danach immer wieder im Stück auftaucht.
• Anderseits ein zentrales Motiv aus vier Sechzehnteln (gr. Terz aufwärts; kl. Sekund + kl. Terz abwärts), das das gesamte „Prelude“ melodisch dominiert und auch im restlichen Score in Dutzenden Variationen immer wieder vorkommt. Wenn man einmal weiß, worauf man achten muss, ist es eigentlich kaum mehr zu übersehen.
Passend zu Hitchcocks bewusst gewählter Schwarzweiß-Optik hat sich Herrmann dazu entschieden, die Instrumentierung auf großes Streicher-Ensemble zu begrenzen. Holz, Blech und Percussion sucht man in der Partitur vergeblich. Auch wenn spezielle Spieltechniken wie Pizzicato oder Sul ponticello als Klavierfassung leider komplett wegfallen, geht die ebenfalls eingeschränkte Klangfarbenvielfalt auf einem Klavier zumindest in eine ähnliche Richtung. Es gibt zwar in mehreren Filmmusik-Songbooks von Hal Leonard eine mehr oder weniger „offizielle“ Fassung. Die strotzt allerdings nur so vor (hauptsächlich harmonischen) Fehlern, z. B. Dominantsept- statt doppelt verminderter Akkord etc. Habe mir deshalb ein eigenes Arrangement erarbeitet. Natürlich mit Capella (7) erstellt. ;) Wenn jemand die Noten will, einfach melden. Teile sie gerne. Viel Spaß!
Super Idee! für Dein Angebot! Deine Aufnahme auf youtube finde ich Klasse - ja, der schwarz-weiß Charakter des originalen Streicherarrangements bleibt erhalten. Die Akkordschläge gewinnen durch den percussiven Klavieranschlag noch an Schärfe.
Vielen Dank, Hans! Freut mich, dass es dir gefällt. :) Der perkussive Charakter war mir auch sehr wichtig. Schon deshalb macht es großen Spaß zu spielen und ist auch gar nicht so schwer. Die ganze restliche Bearbeitung (Notensatz, Aufnahme, Schnitt) ist dann aber auch doch ganz schön aufwendig. LG!